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Sportmedizinische Untersuchung und Leistungsdiagnostik
für Sport treibende Menschen

E. Jakob, U. Schneider, A. Kramer, V. Höltke
Abt- Sportmedizin, Sportklinik Hellersen, Lüdenscheid
(Leiter: Dr. Ulrich Schneider)

Die sportmedizinische Untersuchung verfolgt das Ziel, die Sporttauglichkeit festzustellen, und zwar gilt dies für Breiten- und Leistungssportler, Gesundheits- und Rehasportler, jüngere und ältere Sportler gleichermaßen. Dazu gehört eine umfassende Erhebung der Krankenvorgeschichte (Anamnese) einschließlich familiär vorkommender Erkrankungen (Familienanamnese) und eine ganzheitliche körperliche Untersuchung.

Besondere Schwerpunkte sind die Untersuchung des Herz-Kreislauf- und des Muskel-Skelett-Systems. An apparativen Untersuchungen sind Blutdruckmessung und Ruhe-EKG mindestens einzusetzen und bei einem Alter >35 Jahre die Empfehlung einer Belastungsuntersuchung mit Belastungs-EKG (S1-Leitline 2007, www.dgsp.de). - Aus sportmedizinischer Sicht sind Labor- und weitere apparative Untersuchungen nicht obligatorisch durchzuführen, sondern sie werden bei auffälligen Befunden eingesetzt.

  • Bei unauffälligen Befunden kann aufgrund der genannten Untersuchungen grundsätzlich die Sporttauglichkeit attestiert werden.
     
  • Bei auffälligen Befunden sind Ergänzungsuntersuchungen zur weiteren Abklärung erforderlich. Nachdem diese weiteren Befunde vorliegen, kann die Sporttauglichkeit bzw. muss eine eingeschränkte Sporttauglichkeit attestiert werden.

Die sportmedizinische Untersuchung ist damit eine umfassende Gesundheitsuntersuchung mit Feststellung a) des Gesundheitsstatus und b) der Sporttauglichkeit. Nochmals, dies gilt sowohl für den Leistungs-, Breiten- und Freizeitsportler, für den gesunden und den chronisch kranken Sportler oder den Sportler mit Behinderung.

Sportmedizinische Untersuchung

  • Anamnese
  • Familienanamnese
  • Ganzheitliche körperliche Untersuchung
    - Blutdruck und Ruhe-EKG
  • Belastungsuntersuchung >35 Jahre
  • Weitere Labor- und apparative Untersuchungen bei Auffälligkeiten
  • Sporttauglichkeit: ja – eingeschränkt - nein

Die sportmedizinische Leistungsdiagnostik ist eine Besonderheit der sportmedizinischen Untersuchung. Sie beinhaltet die Beurteilung der körperlichen Leistungsfähigkeit oder Fitness eines Menschen aufgrund physiologischer (Herzfrequenz, Atemgase mit Sauerstoffaufnahme) und biochemischer (Laktat) Kenngrößen, die mittels apparativer und blutserologischer Untersuchungen gemessen werden. Die Aussagefähigkeit geht über die der Belastungsuntersuchung mit Belastungs-EKG hinaus. Als wesentliche Kenngrößen der körperlichen (sportlichen) Leistungsfähigkeit werden (a) maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) sowie  (b) Leistung und Herzfrequenz an der anaeroben Schwelle ermittelt.
 

1) Mit der Spiroergometrie (Messung des Atemvolumens und der Atemgase O2 und CO2) wird die VO2max gemessen. Sie beschreibt die Energiebereitstellung durch Sauerstoffverbrennung (aerobe Energiebereitstellung) und ist somit eine Kenngröße des maximal möglichen Energieverbrauchs (1 l O2 ≈ 5 Kcal) und damit auch der aeroben Leistungsfähigkeit.

  • Bei 40-50-jährigen Männern liegt die VO2max durchschnittlich bei 40-50 ml/kg /min, bei gleichaltrigen Frauen liegt sie um 10-20% niedriger. Pro Altersdekade nimmt sie ab dem 30. Lebensjahr um 10% ab, nachdem die höchsten Werte im  Alter von 20-30 Jahre gemessen werden. – Profi-Radrennfahrer oder –Skilangläufer haben im Maximum Werte um 80-85 ml/kg/min (diese hohen Werte sind z.T. genetisch, z.T. durch jahrelanges hochleistungsorientiertes Training bedingt).
     
  • Maximal mögliche Dauerbelastungen über mehrere Stunden (z.B. Marathonlauf) werden bei Trainierten bei 75-85% VO2max absolviert, bei weniger gut Trainierten liegt der prozentuale Anteil niedriger (50-70%).
     
  • Die VO2max ist abhängig von der Funktion der Organe Herz, Lunge, Blut und Muskulatur. Funktionsbeeinträchtigungen und Erkrankungen dieser Organe werden eine Reduktion der VO2max zur Folge haben, wenn eine Reduktion des O2-Transportes und damit der aeroben Energiebereitstellung die Folge ist. Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz haben eine VO2max <12-15 ml/kg/min.
     
  • Die absolute Sauerstoffaufnahme (VO2) ist für unterschiedliche Belastungsintensitäten in verschiedenen Sportarten aus zahlreichen Untersuchungen bekannt (Ainsworth et al: Compendium of physical activities. MSSE 32(9), Suppl. 498-516, 2000). Sie unterscheidet sich von Mensch zu Mensch dabei in Abhängigkeit von der Art und Weise wie eine Sportdisziplin beherrscht wird (z.B. Brustschwimmen).  -  Um die in der nachfolgenden Tabelle angeführten Sportarten als gesundheitsorientierter Breitensportler mit moderater Intensität durchzuführen, sollte die VO2max um mindestens 25-40% höher liegen als die angegeben Daten der VO2. So setzen Radfahren, Laufen, Tennis-Einzel, Brustschwimmen, Skilanglauf in den angegeben Intensitäten eine VO2max ≥35 ml/kg KG/min voraus, um sie dauerhaft über längere Zeit durchhalten zu können. Wichtig ist, dass bei Einhalten moderater Intensitäten Überforderungen auch weitestgehend vermieden werden oder Sport an den meisten Tagen der Woche möglich ist. Nicht umsonst wird eine moderate Intensität im gesundheitsorientierten Sport empfohlen, weil nur so ein häufigeres Training überhaupt möglich ist. Im Gegensatz dazu finden im leistungsorientierten Sport neben moderaten Intensitäten maximale oder auch supramaximale Belastungsreize statt.
     

2) Im leistungsdiagnostischen Test lässt sich neben der VO2max die sog. anaerobe Schwelle bestimmen. Dies ist möglich im Rahmen der Spiroergometrie als ventilatorische Schwelle oder mit der Laktatanalyse (erfordert Kapillarblutabnahme am Ohrläppchen) als Laktatschwelle (Dickhuth HH, F Mayer, K Röcker, A Berg [Hrsg.]: Sportmedizin für Ärzte. Deutscher Ärzte-Verlag 2010). Die Schwellen liegen üblicherweise im Bereich von 75-85% der maximalen Leistung oder 85-95% der maximalen Herzfrequenz. Ein guter bis sehr guter Ausdauertrainingszustand geht mit entsprechend höheren %-Werten einher. Die Schwellenbestimmung über Laktat setzt nicht zwangsläufig eine maximale Ausbelastung voraus, was gerade für Wiederholungsuntersuchungen bei Leistungssportlern von Vorteil ist.

  • Es kann an der anaeroben Schwelle die Herzfrequenz (HF-AS) bestimmt werden. Diese ist Ausgangspunkt für abzuleitende Trainingsherzfrequenzbereiche in der Trainingssteuerung und interessant sowohl im leistungs- als auch gesundheitsorientierten Sport. Belastungen mit Herzfrequenzen <HF-AS gelten als moderat.
     
  • Im Ausdauertraining verschiebt sich die Leistung an der anaeroben Schwelle hin zu einem höheren Leistungswert, die Schwellenherzfrequenz dagegen bleibt unverändert oder erniedrigt sich. Bei hochtrainierten Personen sind die Verschiebungen meist sehr gering bis kaum mehr nachzuweisen, es liegt ein sehr stabiles Leistungspotential vor. Die Verschiebungen sind aber bei weniger gut Trainierten im Trainingsverlauf meist deutlich darstellbar. Liegen diese physiologischen Verschiebungen im Ausdauertraining (z.B. vor und nach einer mehrwöchigen Marathon-Vorbereitung) nicht vor, sollten Ursachen gefunden werden (Trainingsmangel, Erkrankungen mit Reduktion des Trainingsumfanges, Überforderungen). So lässt sich wiederholte Leistungsdiagnostik zur Trainingssteuerung einsetzen. Wiederholungsuntersuchungen sollten nach definierten Trainingsabschnitten (>6 Wochen) und möglichst nach vorausgegangenem Ruhetag bzw. reduziertem Trainingstag erfolgen, um andere Einflüsse (Ermüdung) ausschließen zu können.
     

Der sportmedizinische Leistungstest kann damit für Sportler und erkrankte Menschen eingesetzt werden, um Leistungsfähigkeit, Belastbarkeit und damit auch geeignete Sportarten zu beschreiben. Im leistungsorientierten Sport dienen wiederholte Untersuchungen im Trainingsverlauf der Optimierung der Trainingssteuerung.

Sinnvollerweise ist eine sportmedizinische Leistungsdiagnostik immer mit einer sportmedizinischen Untersuchung zu koppeln. Ohne Kenntnis des Gesundheitszustandes können sonst Fehlinterpretationen des leistungsdiagnostischen Ergebnisses entstehen. In der Sportmedizin wird regelmäßig Trainierenden (ab 3x wöchentlich) die Wiederholung dieser Untersuchungen in 2-4-jährigem Abstand empfohlen, zur Trainingssteuerung in kürzeren, z.B. mehrwöchigen Abständen.

Zwischenzeitig geben einige Krankenkassen Kostenzuschüsse für die sportmedizinische Untersuchung und Leistungsdiagnostik, womit die Bedeutung der Untersuchung für Sportler Anerkennung findet.

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Sportärztebund Westfalen e.V.
Leistungsdiagnostik-Tabelle
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Sportart,
Bewegungsart
Absolute VO2
moderate Intensität
(ml/kg KG/min)
Walking, flach 3 km/h 12
Walking, feste Wege, 5 km/h 15
Radfahren 19 km/h 28
Laufen 8 km/h 28
Tennis Einzel 28
Schwimmen, Brust langsam,
450 m/10 min
28
Skilanglauf, 7 km/h 28
Golf 15
Tennis Doppel 14

Tab.: Aufgeführt sind die VO2-Werte verschiedener
sportlicher Belastungen im Breitensport
bei moderater Ausübung (nach Ainsworth)

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Sportärztebund Westfalen e.V.
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Geschäftsstelle: Sportklinik Hellersen
Paulmannshöher Str. 17
58515 Lüdenscheid
Tel.:  0 23 51 - 94 52 215
Fax: 0 23 51 - 94 52 213
Sportaerztebund-Westfalen@hellersen.de

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